Evangelisch im Bayerischen Wald

"Wir sind alle Hussiten, ohne es gewusst zu haben"

So schrieb Martin Luther 1519. Wie Martin Luther seinen Bezug zum böhmischen Reformator Jan Hus entdeckte, erzählt Sr. Dr. Nicole Grochowina am Donnerstag, den 3. August 2017 um 19.00 Uhr in der evangelischen Versöhnungskirche Neunburg.

Grochowina ist Schwester der Communität Christusbruderschaft Selbitz, Privatdozentin für Frühe Neuzeit an der Universität Erlangen und Autorin mehrerer Bücher. Ihre aktuellste Veröffentlichung ist ein Buch über Franziskus und Martin Luther.

Mit dem Vortrag von Sr. Grochowina leistet die evangelische Kirchengemeinde einen Beitrag zum Reformationsjubiläum und zum Stadtjubiläum der Hussitenstadt Neunburg.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, um Spenden zur Deckung der Unkosten wird gebeten.


„In der Höhe weitet sich der Blick“

Gottesdienst auf dem Silberberg

Regennass und kühl war es auf dem Silberberg bei Bodenmais am Morgen des letzten Sonntags vor den Sommerferien. Dennoch waren mehr als hundert Besucher der Einladung des evangelischen Bayerwald-Dekanats zum alljährlichen Berg-Gottesdienst gefolgt. Schließlich hat der Gottesdienst schon eine lange Tradition. Und nur die hartnäckigsten Bergfexe steigen auf Schusters Rappen hinauf. Für alle anderen fährt die Bergbahn ausnahmsweise kostenlos. Und während weiter unten noch die Regenwolken hingen, zeigt sich zum Gottesdienst sogar ein wenig die Sonne.

Helfer hatten Sitzbänke auf den Berg geschleppt, die Bläser ihre Posaunen und die beteiligten Geistlichen ihre Talare. Nur am Platz genau hinter dem Altar aus Natursteinen hatte sich eine große Pfütze gebildet. So musste Andrea Wagner-Pinggéra, die Landespfarrerin der bayerischen Johanniter, vor dem Altar predigen.

Der Berg. Das war ihr Thema. Und sie erzählte vom Drang der Menschen, hinauf zu steigen. Immer höher. Aber warum eigentlich? „Der Blick vom Berg zum Horizont hat etwas fast Religiöses.“ Schon in alten Zeiten galten Berge als Symbol für Majestät und Beständigkeit. Und deshalb gab und gibt es auf vielen Bergen Heiligtümer. „Auf dem Berg ist man dem Himmel so nahe.“
Ebenso musste auch Mose mit den Israeliten auf dem Weg durch die Wüste empfunden haben, so Wagner-Pinggéra. Am Sinai fühlte er sich auf den Berg gerufen. Mit siebzig Männern steigt er hinauf, das letzte Stück geht er allein. Und dort oben, auf dem Berg, geschieht das Wunder: Sie sahen den Gott Israels.

Das gebe es in der Bibel nur einmal, führte die Predigerin aus. „Die Siebzig erfahren ein ungeheures Licht. Gott und Licht gehören zusammen.“ Und so sei es auch heute möglich, dass Menschen Gott in seinem ungeheuren Licht erfahren. Erhofft oder auch völlig überraschend. Aber meistens nur einmal Mitten im Alltag oder eben auf einem Berg. „Denn in der Höhe weitet sich der Blick.“

 

Seit vielen Jahren hat der Gottesdienst auf dem Silberberg bei Bodenmais seine feste Gemeinde.

 

Die Landespfarrerin der bayerischen Johanniter, Andrea Wagner-Pinggéra aus München, predigte heuer.

Und trotz der dunklen Wolken blieben die Posaunen und auch die Besucher des Gottesdienstes trocken.